Gedanken über die Vereinigten Staaten von Amerika

Es ist April, ich habe diesen Artikel seit Januar herum liegen, wahrscheinlich fehlen meine Referenzen und kleinen, eingefügten Videos…das mache ich später.

Ich habe in den letzten Wochen (das heißt im frühen bis späten Januar 2014) sehr häufig über das Verhältnis zwischen Europäern und “Amerikanern” nachgedacht. “Amerikaner”, weil wir das Wort verallgemeinert für Bürger der Vereinigten Staaten verwenden, obwohl natürlich Kanadier, Brasilianer, Mexikaner usw. auch Amerikaner sind.

Wenn man sich im Freundeskreis über die USA und seine Einwohner unterhält, ist es meist verächtlich. Wir verachten die Amerikaner dafür, dass sie sich für die großartigste Nation der Welt halten trotz ihrer vielen Probleme, dafür, dass sie ihr Waffengesetz nicht strenger machen, dass sie in unseren Augen alle fettleibig sind und dafür, dass sie immerzu Weltpolizei spielen, wie wir es sehen. Es gibt sehr schöne T-Shirts über das letzte Thema, siehe hier. Ich kann zum zweiten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung nichts sagen, weil ich auch nachdem ich mit einer Texanerin und einigen anderen Amerikanerinnen Freundschaft geschlossen habe, diese Einstellung nicht verstehe. Aber ich möchte mich gerne zu den Themen “Weltpolizei” und “Fettleibigkeit” äußern.

 

Erstmal Weltpolizei. Vor einigen Monaten unterhielt ich mich mit Evie und Jenai, zwei meiner amerikanischen Freundinnen. Evie erzählte, dass während der Auseinandersetzungen in Ägypten in den Staaten die Einstellung der Bevölkerung war, “Yay, lasst uns ein paar Diktatoren entmachten!” und das sie selbst fand, das sei falsch, weil sie sich zuerst um eigene Probleme kümmern sollten. Mein erster Gedanke war der typisch europäische Gedanke – Verachtung für die Einstellung, fremde Diktatoren entmachten zu wollen. Und natürlich die Erinnerung an Sasha Baron Cohens geniale Schlussszene des Films “Der Diktator”. Natürlich, Amerika ist kein so freies Land wie die Leute gern glauben. (Aber ist Deutschland das?) Aber was mir erst einige Wochen später einfiel, ist folgendes. Ich muss dazu etwas ausholen. Ich wollte vor einiger Zeit eine Bewerbung einreichen, hatte aber mein Praktikumszeugnis in Schottland liegen lassen während ich in Hamburg war. Das ganze war natürlich eine furchtbar dumme, peinliche Angelegenheit und so schrieb ich Evie und Jenai an, die über Weihnachten in Schottland geblieben waren. Ich bat sie, sich Zutritt zu meinem Zimmer zu holen, das Zeugnis zu suchen, einzuscannen und zu emailen. Beide sagten ohne zu Zögern zu, dass sie mir gerne helfen würden und dass das ihnen keine Umstände machen würde. Ich war natürlich sehr, sehr erleichtert und dankbar. Ich dachte darüber nach, dass ich mit den beiden zuvor schon ähnliche, weniger drastische Erfahrungen gemacht hatte, und wie hilfreich diese zwei doch seien. Oder US-Amerikaner generell. Meine Freundin Sarah aus Oklahoma ist sehr ähnlich gestrickt.

Und dabei fiel mir noch eine ganz andere Begebenheit ein. 2008 befanden wir uns im Familienurlaub in Kanada und wir boulderten im Lake Louise (oder Lake Lorraine?). Ich hatte meine Ray Ban im Ausschnitt stecken und natürlich fiel sie heraus, genau in den einzigen Spalt weit und breit, zwischen drei riesigen Felsbrocken. Ich stocherte also in dem Spalt herum und versuchte, sie heraus zu fischen. Mein Vater, der mir die Brille geschenkt hatte, war schon ganz sauer, als ein US-Amerikaner mittleren Alters seine Kräfte mit meinen vereinte. Er reichte mir seinen Wanderstock und ich stocherte weiter, aber nichts tat sich. Und dann sagte er: “If only we could move this rock!” (“Wenn wir nur diesen Felsen bewegen könnten!”) und ich antwortete sowas wie “Haha, ja, das habe ich auch gerade gedacht.”. Und dann fing er an, an dem kleinsten der drei Felsbrocken zu zerren. Man darf sich hier nicht verschätzen, der kleinste Felsbrocken wog sicherlich 300kg. Er zerrte also und natürlich zerrte ich mit. Und wir schafften es, der Felsen lag ja größtenteils im flachen Wasser des Sees. Wir bewegten ihn ein Stück, und da war sie: meine geliebte Ray Ban! Überlegt euch das mal: Dieser Mann war freundlich und hilfsbereit genug, für eine völlig Fremde einen solchen Brocken zu bewegen, nur um eine einfache Sonnenbrille wiederzubeschaffen. Ich glaube wirklich nicht, dass der Grund warum die Amerikaner so eine aggressive Außenpolitik verfolgen, der Wunsch Weltpolizei zu spielen ist. Sicherlich, auf den höheren politischen Eben ist es der Wunsch nach mehr Macht, mehr Rohstoffen und sich zu profilieren. Aber die Männer und Frauen, die sich für die Armee freiwillig melden und Berufssoldaten werden, sind in meinen naiven Augen Leute, die einfach die Welt verbessern und anderen Menschen helfen wollen, die unterdrückt werden.

 

Weiter zum Thema Fettleibigkeit. Wir Deutsche sehen unheimlich gern hinab auf die Amerikaner. Uns ist wenig bewusst, wie fett wir eigentlich sind. Innerhalb Europas haben wir eine der höchsten Übergewichtsraten (BMI 30+) und was Fettleibigkeit (BMI 45+) angeht, übertreffen uns nur die Briten. Doch genug davon – was schlimm ist, ist dass wir die Fettleibigkeit der Amerikaner automatisch auf ihre Sucht nach McDonald’s & Co schieben. Ich selbst brauchte erst ein Fernsehprogramm wie Jamie Oliver, der versuchte einer amerikanischen Gemeinde gesunde Ernährung beizubringen, um einen kleinen Teil des Problems zu erkennen. Jamie besucht in seiner Sendung eine Schulklasse, in der die Kinder die einfachsten Gemüsesorten nicht benennen können. Sie können auch nicht den Zusammenhang zwischen einer rohen Kartoffel und fertigen Pommes erklären, weil sie ihn nicht kennen! Das schockt. Und es erklärt das Problem mit dem gesunden Essen. Wenn man in der Schulcafeteria erklärt bekommt, dass Pizza eine von fünf Gemüse- bzw. Obstsorten ist, weil sie Tomaten (in Form von Sauce/Belag!) enthält, kann man gesunde Ernährung kaum erlernen. Ich war schockiert von dieser Entdeckung und berichtete meiner Freundin Kathrin. Kathrin ist Kindergartenerzieherin und sie war gar nicht gerührt von meiner Erzählung. Im Gegenteil, sie musste ähnliche Maßnahmen wie die Lehrerin in der Sendung unternehmen um kleinen Kindern beizubringen, welche Gemüsesorten wie heißen. Das wiederum entsetzte mich – typisch deutsche Arroganz, davon auszugehen, dass solche Umstände bei uns nicht vorkämen. Ganz abgesehen davon, dass viele Konzerne wie McDonald’s alles dafür tun, um zu verbergen wie ungesund ihr Essen ist, in dem sie nämlich ihre Nährwertangaben verstecken oder schlecht sichtbar aufhängen.

Ein weiteres Problem ist mir erst heute ins Bewusstsein gerückt – obwohl es mir lange klar war. Viele von euch haben mich oft über die Lebenserhaltungskosten in Großbritannien klagen hören, was auch stimmt. Sie sind ein vielfaches der deutschen. Ein halber Liter Milch kostet um die 80 Cent. Eine Tüte Mini-Doughnuts kostet circa 1,3€. Eine einzige Gurke kostet so viel, wie ein halber Liter Milch kostet…. Also was kauft man, Doughnuts oder Gurken? Obst und Gemüse sind katastrophal teuer hier. Was hat das mit Amerika zu tun? Ganz einfach: das Essen ist schwer zu bezahlen für einen großen Teil der Menschen. Also hungern sie und kaufen sich mit ihrem wenigen Geld das Essen, was die meisten Kalorien hat. Und das ist nunmal das ungesunde Essen. Wenn ein Hamburger so viel kostet wie ein Pfirsich – was nimmst du? Man sieht also, dass die Fettleibigkeit von Unbildung und Armut herrührt. Was uns in Europa scheinbar nie klar wurde. Zumindest nicht so, wie wir über Amerikaner reden. Ich erinnere mich, dass mein Vater mir immer einschärfte schlank zu sein bzw. abzunehmen, da die besser situierten Menschen an ihrem gesunden Gewicht zu erkennen sein. Wer mehr über das Thema Armut, Hunger und Fettleibigkeit wissen will, schaue sich den Film “A Place at the Table” an, denn der hat mich zu diesem Blog inspiriert.

Und jetzt möchte ich eine kleine Bemerkung zu dem Thema Rassismus machen. Es war entweder Stephen Emmott (siehe Buchrezension hier) oder Danny Dorling (Buchrezension unterwegs) der bemerkte, dass wir uns endlich von der Vorstellung loslösen müssten, es gäbe eine natürlich überlegene Menschenrasse. Weil wir uns nämlich alle ähnlicher seien, als unterschiedlich. Was die DNA angeht sind wir alle so gut wie identisch, wir werden mit denselben Voraussetzungen geboren und die Umwelt gibt den Rest dazu. Man muss keine klinische Neuropsychologin sein, um auf die Idee zu kommen, dass Mangelernährung der Entwicklung des Gehirns schadet. Das gilt für weiße wie schwarze Kinder, für Jungen wie Mädchen. Und wer leidet an Mangelernährung? Richtig, ärmere Schichten die sich gesundes Essen nicht leisten können. Wer macht den größeren Teil der Armen aus? Schwarze. Ihr versteht, was ich meine. Weiße Kinder, die benachteiligt aufwachsen, machen sich auch schlechter als ihre behütet aufgezogenen Klassenkameraden. Einige Erklärungen für die Lücke zwischen Weißen und Schwarzen in IQ-Tests sind eben genau das: wenn ein Kind in einer Umgebung mit niedrigerem Einkommen, weniger gesundem Essen und einem schwierigen sozialen Umfeld aufwächst, belastet das das sich entwickelnde Gehirn. Die Kinder haben mehr Probleme damit ihr Verhalten zu regulieren, sich zu konzentrieren, sozial einzufügen und Ähnliches. Man muss doch wirklich kein Genie sein um zu erklären, dass die Hautfarbe nichts damit zu tun hat. (Kurzer Ausflug in etwas das Phrenologie ähnelt, zumindest für Laien: Kinder, die in Waisenhäusern aufwachsen, haben kleinere Köpfe als diejenigen, die in einem festen Zuhause aufwachsen, weil sich ihre Gehirne nicht richtig entwickeln durch ein fehlendes Heim. Und dieser Unterschied gibt sich nicht mit der Zeit.)

 

Also, können wir uns bitte von der Vorstellung lösen, dicke Menschen seien dumm? Dummheit ist nicht das selbe wie wenig Bildung – oder wenige finanzielle Ressourcen um sich gesundes Essen zu kaufen. Und wo wir gerade bei ein bisschen Revolution sind, vergessen wir doch einfach die Idee von einer kognitiv überlegenen Menschenrasse. Denn wenn es sie gäbe, wären das nicht wir Weißen. Je nach Testverfahren schneiden Asiaten und Juden (die, warum auch immer, separat gerechnet werden) besser ab als wir Weiße. Und ja, ich bleibe bei den politisch unerwünschten Begriffen von Weiß und Schwarz und schließe diesen Blog mit folgendem:

 

Als ich geboren wurde, war ich schwarz

Als ich aufwuchs, war ich schwarz

Wenn ich krank bin, bin ich schwarz

Wenn ich in die Sonne gehe, bin ich schwarz

Wenn ich friere, bin ich schwarz

Wenn ich sterbe, werde ich schwarz sein.

 

Aber ihr,

Wenn ihr geboren werdet, seid ihr rosa,

Wenn ihr aufwachst, seid ihr weiß,

Wenn ihr krank seid, seid ihr grün,

Wenn ihr friert, werdet ihr blau,

Wenn ihr sterbt, werdet ihr lila,

und ihr besitzt die Frechheit, mich als farbig zu bezeichnen?

Advertisements

Discussion: 10 Billion People on the Planet? Part 1/3 – “10 Billion” by Stephen Emmott (Bilingual Article)

So, initially I planned on writing ONE BLOG ARTICLE about TWO BOOKS, Stephen Emmott’s “10 Billion” and Danny Dorling’s “Population 10 Billion”. However, I will split this into a minimum of three articles; this one on “10 Billion”, the next one on “Population 10 Billion” (which I have not read yet) and one on my opinion on it with a possible commentary on the Financial Times article (which I have also not read yet).

ENGLISH

First things first, this blog entry will be in English and in German because I want to share this with readers in both languages. For the German entry, simply scroll down. Additionally, I want to add that this article is a very brief summary and discussion of Stephen Emmott’s “10 Billion”. My own opinion is only reflected at the end, in the very last paragraph which begins with “My conclusion…”

I’m starting this article with Stephen Emmott’s “10 Billion” without having read the second book. I read the entire book in a few hours, it is a very thin book and the language is easy to understand. Emmott makes his messages clear, and he presents them in small bits. Not a single page is fully covered by text. This feels a bit like flicking through headlines only but these are meaningful and insightful headlines. Emmott being a researcher at the University of Cambridge makes this book an amazing example of how science should be communicated to the general public. Occasionally, he lacks the details I would like but overall, anyone who knows how to read is capable of understanding him. (This is not common in scientists, some prefer to sound smart!)

So, here we go. Mr Emmott pleads that we, as the dominant species of this plant need to man up and face our responsibilities. He compares our current situation to the extinction of the dinosaurs: if we were to discover that an asteroid was to fatally hit Earth at a specific date and time (movie: Armageddon!) and destroy 70% of all life on Earth, we would call on every scientist in the world for help. We would dedicate them to either come up with an asteroid destruction strategy (Bruce Willis!) or with a survival strategy to rebuild our civilisation after the asteroid’s impact. He comments that we are in this very same situation, minus the precise date and the asteroid. It is not the asteroid destroying this planet. It is us, according to Mr Emmott.

We, as the planet’s global apex predator exploit the planet to an extent that we cannot sustain. Our consumption of air, food, and water stresses the planet’s health to an extent that we are changing the climate (the 10 warmest years in history occurred since 1998, says Mr Emmott). Additionally, our deforestation of the planet and overfishing the seas further damage our ecosystem, making it dysfunctional. A dysfunctional ecosystem can cope even less with the stress we place on it. I remember reading Frank Schätzing’s companion to “The Swarm” a few years ago, a very well-written book that was never translated into English. It is called “Nachrichten aus einem unbekannten Universum” (“Messages from an unknown Universe”) and explains evolutionary processes and connections between different ecosystems and the interdependency of them. I read this book, and because I was young and idealistic (maybe not…), I went to my parents and told them what I had just learned: that the loss of a seemingly insignificant species can cause the loss of further species that feed on them and that this will have a terrible impact on life on Earth. I can’t remember the exact species name, but they were some form of bacteria or plancton in Antarcica, I believe. My parents were very amused by this, why would people care about tiny organisms in Antarctica? I felt like Antoine de Saint-Exupéry. 

Back to the topic: Our demand for food increases because more people eat more food, people eat different foods in different parts of the world and eating is now a leisure time activity. The one thing we need to produce food is a stable climate and still the droughts in Australia, America and Russia have shown that our climate is becoming less stable. Droughts reduce the crops to be harvested and subsequently the available food. Reduced food availability causes social and political trouble. The “Arab Spring” was caused by a famine because Russia, in a heatwave, stopped exporting crops to feed its own people. On the other hand, sea levels are rising and whilst we are not yet worrying about super-floods and frozen T-rexes as promoted by Hollywood, there is a release of methane from melting sea ice. This could be “very big trouble on a very big scale”.

Food, however, does not seem to be our biggest problem, according to Mr Emmott. Water is. Water, you say? Water. The blue, wet stuff that covers 70% of our planet’s surface? Seems like we have enough. Duh! Fresh water. Drinkable water. At the moment, walking into the supermarket and buying water seems easy. And if we drink 2-3 litres a day, that doesn’t seem to bad to me. Plus showering, water toilets, et cetera? Mr Emmott points out that the hidden water use is a big issue. To produce a burger, it takes approximately 3000 litres of water, with 14 billion burgers consumed in the USA in 2012, that makes a usage of 42 trillion liters of water in a single year in a single country only to produce hamburgers. Now, that this is not sustainable in the future seems obvious.

Let’s move on to the next topic: energy, meaning oil, gas and renewable resources. Mr Emmott makes it clear that fossil fuels are discovered more and more each year (due to the climate change, the Kara sea is no longer covered ice, making its resources available, as an example). His concern is not that we will run out of fossil fuel but that we will keep using them and pollute our atmosphere. He points out that it is our lying politicians as well as our own stupidity that keeps us addicted to coal, gas and oil. Hundreds of millions just burn wood. Which in turn increases deforestation and “black carbon” production. In fact, we produce more black carbon per year now than was produced in the middle ages. Black carbon impairs human health, anyone who wants to know what I’m talking about: spend a day in Xi’An, China. The CO2 levels we are currently experiencing are higher than anything this planet and its ecosystem have dealt with for millions of years – how the plants will respond is completely unknown. This unknown impact on the planet’s carbon cycle is worrisome because the carbon cycle is what makes Earth inhabitable. Nevertheless, green energy, i.e. renewable energy sources such as solar panels, are not a solution. Firstly, they could not sustain our energy consumption, secondly, their production is not “green”, we are running out of the metals used in solar panels and the newest generation of solar panels uses nitrogen trifluoride which is a potent greenhouse gas. (An example of where I would have liked more details. Here you go: Wikipedia says, nitrogen trifluoride has 17.200 times more global warming potential than CO2. Yikes.) Even if green energy was an option, which it is not, we would have to embark on a global green energy programme right now and we are not. We should be embarking on a nuclear power programme instead, at least to maintain our energy demands for a few decades. Instead politicians are opting out of nuclear power production because it is politically unpopular, financially expensive and generally a hassle. One thing research should focus on, in Mr Emmotts opinion, is artificial photosynthesis.

From Mr Emmott’s book, all the sciences point to the question when the catastrophe will hit us, not if it will hit us. A final point I want to take from this point is that if us humans keep reproducing the way we currently do, there will not be 10 billion of us by 2100. We will be 28 billion. Not having children is of course no option because it goes against any genetic programming we might follow. Also, the developed world already faces the demographic issue of having too many elderly to be supported by too little youngsters.

My conclusion from Stephen Emmott’s “10 Billion” is that this is a well-written and excellently researched book. It is highly enjoyable and it makes its points whilst building suspense, which is rare for a book of this type. I mean, I am reading about the end of our civilisation, Bruce Willis isn’t there to save us and I’m enjoying it. The book is obviously written for anyone to understand it, as I said before, but it is also obvious that Stephen Emmott is a very intelligent man. You can see why this man teaches at Cambridge, Oxford and UCL, three of the world’s top universities. I’ve only given you excerpts of what he states in the book, the way he brings all the information together and shows us the interconnectivity is great. One thing I wonder about though is how much of this book is sensationalism and just spreading panic, because it does seem very urgent and panicky. Partly, this impression is created by the way the book has been layoutet. Sometimes there is just one big fat sentence on a page, there are some dramatic pictures to illustrate points. All this makes it look a little rainbow press. But if you do pay attention to what he writes, it becomes apparent that he knows his material, he’s done his research and there is science behind the fat headlines and pictures. I came to accept the layout as a way of expression of his own art. After all, writing books is an art and packing science into a book that laypeople understand, is a great art. Also, he adds many graphics to illustrate his point, he never once mistakes a correlation for a causation and he gives the full citations next to the graphs, making the book transparent.

I’m very curious about the next book now, I’m guessing it will take me a while. Now, off to pole dancing class with the preliminary conclusion that Pocahontas was right. And so was Rafiki. Not even going to say MUFASA, see from minute 1.

DEUTSCH

Ursprünglich hatte ich geplant EINEN BLOGARTIKEL über ZWEI BÜCHER zu schreiben: “10 Milliarden” von Stephen Emmott und “Bevölkerung 10 Milliarden” von Danny Dorling. Allerdings werde ich diese Diskussion in minimal drei Artikel einteilen: diesen hier, über “10 Milliarden”, den nächsten über “Bevölkerung 10 Milliarden” (das ich noch nicht gelesen habe) und einen mit meiner eigenen Meinung und möglicherweise einem Kommentar zum Artikel der Financial Times (den ich ebenfalls noch nicht gelesen habe). Dazu kurz auf Deutsch: keines der beiden Bücher ist bereits auf Deutsch erschienen. Ich möchte außerdem hinzufügen, dass der Artikel eine Wiedergabe des Buchinhalts ist, meine persönliche Meinung kommt erst am Ende, bei “Meine Schlussfolgerung…” ins Spiel.

Ich beginne diesen Artikel mit Stephen Emmotts “10 Milliarden“, ohne das zweite Buch gelesen zu haben. Ich habe das gesamte Buch letzte Nacht durchgelesen, es ist ein sehr dünnes Buch und leicht zu lesen. Emmott macht seine Botschaften deutlich und präsentiert sie stückchenweise. Keine einzige Seite ist ganz mit Text bedruckt. Das fühlt sich ein wenig an, als würde man nur Schlagzeilen lesen aber diese sind bedeutungsvoll und einsichtig. Emmott ist Forscher an der Universität von Cambridge, dies macht dieses Buch zu einem großartigen Beispiel wie Wissenschaften an die allgemeine Bevölkerung vermittelt werden sollte. Gelegentlich fehlen einige Details die ich gerne hätte, aber insgesamt kann jeder, der lesen kann, ihn verstehen. (Das ist nicht gewöhnlich für Forscher, manche klingen lieber klug!)

Also, los geht‘s. Herr Emmott plädiert dafür, dass wir als die herrschende Spezies dieses Planeten uns zusammenreißen müssen und unsere Verantwortung übernehmen müssen. Er vergleicht unsere gegenwärtige Situation mit dem Aussterben der Dinosaurier: fänden wir heraus, dass zu einem bestimmten Tag und einer bestimmten Uhrzeit ein Asteroid auf der Erde einschlagen würde (Film: Armageddon!) und 70% allen Lebens vernichten würde, würden wir alle Wissenschaftler der Welt versammeln um Hilfe zu bekommen. Wir würden ihre Zeit entweder einer Asteroid-Zerstörungsstrategie widmen (Bruce Willis!) oder einer Überlebensstrategie um unsere Zivilisation nach dem Einschlag wieder aufzubauen. Emmott kommentiert, dass wir gegenwärtig in genau dieser Situation sind, nur ohne ein genaues Datum und ohne den Asteroiden. Es ist nicht der Asteroid, der den Planeten zerstört. Es sind wir, nach Herrn Emmotts Ansicht.

Wir, als der weltweite Spitzenprädator, beuten den Planeten in einem Umfang aus, den wir so nicht fortsetzen können. Unser Konsum von Luft, Nahrung und Wasser belasten die Gesundheit in einem solchen Umfang, dass wir das Klima verändern (die 10 wärmsten Jahre der Geschichte traten alle nach 1998 auf, sagt Herr Emmott).

Zusätzlich schaden unsere Entwaldung und Überfischung dem Ökosystem noch mehr, so dass es nicht mehr funktioniert. Ein nicht funktionierendes Ökosystem kann noch weniger Belastung ertragen, als wir ihm ohnehin zumuten. Ich erinnere mich daran, Frank Schätzings Begleitbuch zu „Der Schwarm“ gelesen zu haben. Es heißt „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ und erklärte evolutionäre Vorgänge und Verbindungen zwischen verschiedenen Ökosystemen, sowie ihre gegenseitige Abhängigkeit. Ich las dieses Buch, und weil ich jung und idealistisch war (vielleicht auch nicht…), ging ich zu meinen Eltern und erzählte ihnen, was ich soeben gelernt hatte: dass der Verlust einer scheinbar unwichtigen Spezies den Verlust weiterer Spezies, die sich von ihr ernähren bedeutet und dass dies einen furchtbaren Einfluss auf das Leben auf der Erde haben werde. Ich kann mich an den Namen der Spezies nicht mehr erinnern, aber es war eine Art Bakterien oder Plankton am Südpol, glaube ich. Meine Eltern waren sehr amüsiert davon, warum sollten Menschen sich für winzige Organismen am Südpol interessieren? Ich habe mich ein wenig wie Antoine de Saint-Exupéry gefühlt (das Zitat ist das letzte in der Rubrik “Große Leute”).

Zurück zum Thema: Unsere Nachfrage nach Essen steigt, weil mehr Menschen mehr essen, weil Menschen in verschiedenen Teilen der Welt verschiedene Nahrung zu sich nehmen und weil Essen nun eine Freizeitaktivität geworden ist. Die eine Sache, die wir brauchen um Essen zu produzieren ist ein stabiles Klima und dennoch zeigen die Dürreperioden in Australien, Amerika und Russland, dass unser Klima weniger stabil wird. Dürreperioden reduzieren den Ernteertrag und infolge dessen die verfügbare Nahrung. Die niedrige Verfügbarkeit von Nahrung verursacht soziale und politische Unruhen. Der „arabische Frühling“ wurde verursacht durch eine Hitzewelle in Russland, wegen der der Export von Nahrung gestoppt wurde um das eigene Volk zu ernähren. Andererseits steigen die Meeresspiegel und während wir uns noch keine Sorgen um Superfluten und eingefrorene T-Rexe machen müssen, wie Hollywood sie darstellt, wird Methan vom schmelzenden Eis in die Atmosphäre abgegeben. Das könnte „sehr großen Ärger auf einer sehr großen Skala“ geben.

Nahrung scheint jedoch nicht unser größtes Problem zu sein, Herrn Emmott zufolge. Wasser ist es. Wasser, sagst Du? Wasser. Das blaue, nasse Zeug das 70% unseres Planeten bedeckt? Schein, als hätten wir genug. Doh! Süßwasser. Trinkwasser. Momentan erscheint es leicht in einen Supermarkt zu gehen und Wasser zu kaufen. Und wenn wir 2-3 Liter am Tag trinken, dann erscheint mir das nicht schlimm. Plus Duschen, Wasserklosetts und so weiter? Herr Emmott weist daraufhin, dass unser verborgener Wasserverbrauch ein großes Problem ist. Um einen Burger zu produzieren verbraucht man ungefähr 3000 Liter Wasser, mit 14 Billionen Burgern die 2012 in den USA allein verspeist wurden macht das dann 42 Trillionen Liter Wasser in einem einzigen Jahr in einem einzigen Land einzig um Hamburger zu produzieren. Nun, dass das nicht haltbar ist erscheint offensichtlich.

Beschäftigen wir uns mit dem nächsten Thema: Energie, nämlich Öl, Gas und erneuerbare Ressourcen. Herr Emmott macht es deutlich, dass fossile Brennstoffe mit den Jahren häufiger und häufiger entdeckt werden (wegen des Klimawandels ist die Karasee nicht mehr eisbedeckt und somit werden ihre Ressourcen verfügbar, beispielsweise). Seine Sorge ist also nicht, dass uns die fossilen Brennstoffe ausgehen werden, sondern dass wir sie weiterhin verwenden und unsere Atmosphäre weiterhin verschmutzen werden. Her weist daraufhin, dass es unsere lügenden Politiker und unsere eigene Dummheit sind, die uns in Abhängigkeit von Kohle, Gas und Öl halten. Hunderte Millionen Menschen verbrennen einfach Holz. Was dann wiederum die Entwaldung erhöht und die Produktion von „schwarzem Karbon“. Tatsächlich produzieren wir heute mehr schwarzes Karbon pro Jahr als im gesamten Mittelalter. Schwarzes Karbon beeinträchtigt die menschliche Gesundheit, jeder der wissen will, wovon ich rede: verbringt mal einen Tag in Xi‘An, China. Die CO2-Level die wir momentan haben sind höher als alles, was dieser Planet und sein Ökosystem seit Millionen von Jahren verarbeitet haben – wie die Pflanzen reagieren werden, ist völlig unbekannt. Dieser unbekannte Einfluss auf den Karbonzyklus des Planeten ist besorgniserregend weil der Karbonzyklus den Planeten bewohnbar macht. Nichtsdestoweniger ist grüne Energie, also erneuerbare Energie (wie Solarzellen), keine Lösung. Erstens könnten sie unseren Energiebedarf nicht erfüllen, zweitens ist ihre Herstellung nicht „grün“, die Metalle die für die Herstellung von Solarzellen gebraucht werden, werden knapp und die neueste Generation Solarzellen verwenden Nitrogen Trifluorid, was ein sehr starkes Treibhausgas ist. (Ein Beispiel, wo ich mehr Details gewollt hätte. Hier habt ihr sie: Wikipedia sagt, Nitrogen Trifluorid habe 17.200 mal so viel Treibhauspotential wie CO2. Ihgitt.) Selbst wenn grüne Energie eine Option wäre, was sie aber nicht ist, müssten wir jetzt sofort ein globales grünes Energieprogramm in Kraft setzen und das tun wir nicht. Wir sollten stattdessen ein Kernkraftprogramm aufstellen, zumindest um unseren Energiebedarf für die nächsten Jahrzehnte zu decken. Aber stattdessen schließen Politiker die Kernkraftwerke weil Kernkraft politisch unbeliebt, finanziell teuer und allgemein ein Ärgernis ist. Etwas, worauf sich Emmotts Meinung nach die Wissenschaft konzentrieren sollte ist künstliche Photosynthese.

In Herrn Emmotts Buch stellen alle Wissenschaften die Frage wann die Katastrophe uns treffen wird, nicht ob sie uns treffen wird. Ein letzter Punkt den ich noch aus diesem Buch zitieren möchte ist dieser: falls wirMenschen uns weiterhin so vermehren, wie wir es gegenwärtig tun, dann werden wir im Jahr 2100 nicht 10 Milliarden sein. Sondern 28 Milliarden. Natürlich ist keine Kinder kriegen auch keine Option, denn es geht gegen jede genetische Programmierung die wir haben. Außerdem steht die industrialisierte Welt schon vor der demographischen Katastrophe, dass sie zu viele alte Menschen hat, die von zu wenig jungen Menschen unterstützt werden.

Meine Schlussfolgerung aus Stephen Emmott’s „10 Milliarden“ ist, dass dies ein gutgeschriebenes und hervorragend recherchiertes Buch ist. Es bereitet großen Lesespaß und hat einen Spannungsbogen, untypisch für Bücher wie dieses. Ich meine, ich lese über das Ende unserer Zivilisation, Bruce Willis ist nicht da um sie zu retten und ich genieße es. Das Buch ist offensichtlich für Jedermann geschrieben, wie schon gesagt. Aber es ist genauso offensichtlich, dass Stephen Emmott ein sehr intelligenter Mann ist. Man versteht, warum dieser Mann an Cambridge, Oxford und dem UCL lehrt, drei der Topuniversitäten weltweit. Ich habe euch hier nur Auszüge aus dem Buch präsentiert, aber die Art wie er all die Informationen zusammenbringt und uns die Verbindungen aufzeigt ist großartig. Eine Sache, die ich mich jedoch frage, ist wie viel von diesem Buch Sensationsmache und Panikmache ist, denn es wirkt wirklich sehr dringlich und panisch. Teilweise wird dieser Eindruck vom Layout erweckt. Manchmal enthält eine Seite nur eine einzige dicke fette Überschrift, es gibt dramatische Bildern um Aussagen zu illustrieren. All das lässt das Buch etwas nach der BILD-Zeitung aussehen. Aber wenn man dem was er schreibt Aufmerksamkeit schenkt, wird es deutlich, dass er sich mit seiner Materie auskennt, er hat seine Recherche gemacht und es steht Wissenschaft hinter den dicken Überschriften und Bildern. Ich habe das Layout als einen Ausdruck seiner eigenen Kunst akzeptiert. Alles in allem ist das Schreiben von Büchern ja eine Kunst und Wissenschaft in einem Buch zu vermitteln, dass Laien auch verstehen ist eine Kunst ansich. Außerdem fügt er viele Grafiken ein um seine Meinung darzustellen, nicht einmal verwechselt er Korrelation mit Kausalität und er gibt die vollständige Quellenangabe neben den Grafiken, was für Transparenz sorgt.

 Ich bin sehr neugierig auf das nächste Buch, Danny Dorlings „Bevölkerung: 10 Milliarden“. Jetzt gehe ich erstmal zum Pole Dancen mit der vorläufigen Schlussfolgerung, dass Pocahontas Recht hatte. Und Rafiki. Von MUFASA will ich gar nicht anfangen.